Newsletter Forum Flüchtlingshilfe erschienen

Das Forum Flüchtlingshilfe hat einen neuen Newsletter veröffentlicht.

Darin enthalten sind Informationen zu:

Auf zwei Sachen soll hier speziell aufmerksam gemacht werden:

    1. Für den 23.09.2016 ist das nächste offene Forum Flüchtlingshilfe geplant. Es soll auf Kampnagel stattfinden.

    2. Auch wenn weniger geflüchtete Menschen in Hamburg ankommen – die Situation für diejenigen, die bereits da sind, hat sich bisher keineswegs gebessert. Noch leben in Hamburg 16000 Geflüchtete in Erstaufnahmen, davon hätten bereits 5000 Anspruch in einer Folgeunterkunft zu leben.

    Wer nun denkt, es läge zum Teil an lokalen Anwohnerinitiativen, die verhindern, dass bereits bestehende Unterkünfte nicht bezogen werden können, liegt sicherlich nicht falsch. Einen anderen Teil der Verantwortung muss allerdings die politische Seite und die Verwaltung übernehmen. Hier wurden die Leute in den Quartieren obrigkeitsstaatlich-rigide (Polizeirecht, ausgehebeltes Baurecht) nicht selten vor vollendete Tatsachen gestellt. Dieser Konflikt muss schnellstens aus der Welt geschafft werden.

Gedanken zum Buch Traum(a) Migration

Wenn Menschen ihre Heimat verlassen (müssen), bleibt immer etwas von ihnen zurück – es ist immer ein Verlusterlebnis. Egal, ob Menschen, Verwandte oder Freunde, vertraute Orte, Gerüche, Speisen, Klänge, sämtliche zwischenmenschliche und sinnliche Erfahrungen, die bisher als Referenzpunkte Halt im Leben gegeben und das Individuum als soziales Wesen in einer Gemeinschaft verankert haben, verschwinden, verblassen, verändern sich.

Diese vielen kleinen Verlusterlebnisse und –ereignisse hallen lange nach. Im Zuge einer Migrationserfahrung kommen sie durchaus erst nach und nach, im Laufe von Monaten, manchmal Jahren im Gefühls(er)leben eines Menschen zum Ausdruck. Anfänglich ist es oft schlicht der Überlebenswille, der einen Menschen daran hindert, die Tragweite der Verluste an sich heran zu lassen. Danach ist es die Notwendigkeit, die neuen Lagen in der Ankunftsgesellschaft zu verstehen, für sich selber nachvollziehbar zu machen und ebenfalls erneut das Überleben zu sichern.

Erst wenn das Überleben gesichert ist, wenn ein sicherer Aufenthalt erreicht ist, wenn die erste eigene Wohnung bezogen ist, ein Job in Aussicht steht, vielleicht wenn die Familie nachziehen kann und andere wichtige Gewinnerlebnisse und –ereignisse dem Leben eines Geflüchteten einen neuen Schub geben könnten; erst dann ist es häufig so, dass Trauma, Trauer und Trennungsschmerz mit ihrer ganzen Macht in das gerade neu beginnende Zweitleben hineinbrechen.

Diese Verzögerung des Erlebens, diese Ungleichzeitigkeiten zwischen Ereignis und seelischer Reaktion sind in das Konzept der Posttraumatischen Belastungsstörung eingegangen. Gerade die Menge und die Vielfalt der Lebensselbstverständlichkeiten, die ein geflüchteter Mensch hinter sich lassen musste, sind für Menschen, die nie eine solche Erfahrung machen mussten, sehr schwer nachvollziehbar. Deswegen ist es enorm wichtig, als ehrenamtlich Helfende immer auch mit diesen biographischen Ungleichzeitigkeiten zu rechnen.

Für Geflüchtete besteht immer die Gefahr, dass sich ein seelisches Loch auftut, das den Schmerz freisetzt – und den riesigen Verlust offenbart, der damit einhergeht, nicht mehr über die oben beschriebenen Referenzpunkte zu verfügen. Wer es als erwachsener Mensch im Laufe eines Lebens geschafft hat, eher inneren Halt zu suchen und zu finden, ist eventuell weniger stark auf das Außen angewiesen, um mit den eigenen seelischen Notlagen umzugehen. Doch gerade Menschen aus eher kollektiv-gemeinschaftlich organisierten, stark verwandschafts-orientierten Gesellschaften, tun sich schwer damit, sich ein unvertrautes Außen „einzuverleiben“, die Referenzpunkte zu verändern, anzupassen, neu zu besetzen.

Und bei all dem habe ich noch nichts über konkrete traumatische Ereignisse wie Krieg, Bombenterror, Folter, den Tod von nahen Verwandten und deren Auswirkungen geschrieben. Die setzen dem posttraumatischen Erleben und dem emotionalen Befinden der Betroffenen auf ganz eigene Weise zu. Und auch darum geht es im Buch: Traum(a) Migration.

 

Begriffserklärungen rund um Asylgesetzgebung für ehrenamtlich Helfende

Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung aus München hat ein 60-seitiges Glossar der Begriffe rund um Asyl, Flucht und Migration erstellt. Dieses Nachschlagewerk – hier als pdf verlinkt – enthält die allerwichtigsten aufenthaltsrechtlichen Begriffe und erklärt ihre Bedeutung.

„Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche“ soll die Helfenden dabei unterstützen, die teils komplexe Gemengelage selber zunächst besser zu verstehen und dieses Verständnis dann in die ehrenamtliche Arbeit einfließen zu lassen.

Da es sich in der Regel um bundeseinheitliche Gesetzgebung handelt (Asylgesetz bzw. bis 23.10.15 Asylverfahrensgesetz, Aufenthaltsgesetz, Asylbewerberleistungsgesetz und und und), ist der Geltungsbereich der gesammelten Informationen nicht auf Bayern beschränkt.

Das Nachschlagewerk ist deswegen so wertvoll, weil es nicht selten vorkommt, dass Ehrenamtliche auf ihren Begleit- oder Lotsengängen zu Ämtern, zu Behörden und anderen öffentlichen Stellen mangelhafte und manchmal schlicht falsche Auskünfte bekommen. Auf Stichwort eine gültige Begriffsklärung und deren rechtlichen Rahmen zu erhalten, kann Reibungsverluste vermeiden und Wege verkürzen helfen.

Gesetzesregelungen sind mit Stand 04.03.2016 berücksichtigt.

Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer in Harburg

Auch wenn es zunächst ungewöhnlich klingt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) berät erwachsene Zuwanderer – allerdings vornehmlich jene, die bereits einen Aufenthaltstitel nach $23 Aufenthaltsgesetz haben oder berechtigt oder verpflichtet sind, einen Integrationskurs zu besuchen.

Die Beratungsstellen, die das BAMF mit der Aufgabe betraut hat (dabei sind u.a. die Caritas, das DRK, Der Paritätische, die Diakonie und einige kleinere Träger) sollen dabei in folgenden Bereichen Unterstützung zu leisten, wie auf der BAMF-Webseite zu lesen ist:

  • Deutsch lernen (zum Beispiel: Wo kann ich Deutsch lernen? Muss ich den Kurs selbst zahlen?)
  • Schule und Beruf (zum Beispiel: Wird mein Schulabschluss oder meine Ausbildung anerkannt? Wie und wo finde ich Arbeit?)
  • Wohnen (zum Beispiel: Wie finde ich eine Wohnung? Wie viel kostet eine Wohnung?)
  • Gesundheit (zum Beispiel: Brauche ich eine Krankenversicherung? Zu welcher Ärztin oder welchem Arzt kann ich gehen?)
  • Ehe, Familie und Erziehung (zum Beispiel: Wer hilft mir während der Schwangerschaft? Wer berät mich bei Eheproblemen?)

In Harburg gibt es zwei Anlaufstellen:

BI Bildung und Integration, Hamburg Süd gGmbH, IZ Harburg
Krummholzberg 5, 21073 Harburg
Benjamin Kurtius, 040-3095429-13
Beratungszeiten: Dienstag bis Freitag 10-14 Uhr, nur nach Terminabsprache!
Terminvergabe: Donnerstag 10-12 Uhr oder telefonisch
Als Beratungssprache möglich: Spanisch
Angebote: MBE, Integrationskurse, Integrationszentrum
Deutsches Rotes Kreuz Harburg
Maretstraße 26, 21073 Hamburg
Natalia Lukin, 040-65915125, N.Lukin@drk-hh-harburg.de
Monika Dos-Eggert, 040-65915125, M.Dos-Eggert@drk-harburg.hamburg.de
Offene Sprechstunde: Montag 9-12 Uhr, Mittwoch 9-12 Uhr und n. Vereinbarung. Freitag: geschlossen!
Als Beratungssprache möglich: Russisch, Polnisch
Angebote: MBE

Insgesamt stehen in Hamburg 15 Anlaufstellen aus dem Netzwerk Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) zur Verfügung. Die Förderrichtlinien des BAMF zur MBE.

Dialogforum Kommunikation im Forum Flüchtlingshilfe – #DFKomm

Am 11.03.16 fand das erste Vernetzungstreffen des Dialogforums Kommunikation statt. Es kam eine Gruppe Aktiver aus dem Forum Flüchtlingshilfe zusammen, unterstützt durch die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Die Gruppe traf sich im neuen Stützpunkt von Hanseatic Help e.V. (Die Kleiderkammer) an der Großen Elbstraße 264.

Ca. zwei Dutzend Engagierte aus Initiativen, Erstaufnahmen, sozialen Trägern, Webentwicklern, der Kleiderkammer und aus der Behörde trafen sich in lockerer Runde, um über Kommunikation in den sozialen Medien, den journalistischen Medien, aber auch zwischen den Engagierten zu sprechen.

Drei Kernthemen lassen sich beschreiben:

1. Fragmentierung der Informationen

Die Vielfalt der Informationen, die existieren, aber kaum gebündelt abgefragt werden können. Die Reibungsverluste, die dadurch entstehen, dass viele Informationen immer wieder neu zusammengetragen werden müssen. Als Lösungen wurden verschiedene Apps diskutiert, die gerade entwickelt werden (bspw. Help here) – Unter den Anwesenden waren zwei Entwickler einer Webseite mit Datenbank: We.Inform. – das Angebot geht im April online.

2. Stimmungen und Befindlichkeiten und deren Transportkanäle

Ein weiteres Thema war die allgemine Stimmung, die sich gegen Helfende und Geflüchtete zu wenden scheint. Die Willkommenskultur ist einer Abgrenzungs- und Angstkultur gewichen. Die Initiativen, die einen Volksentscheid zu Unterkünften herbeiführen möchte, trägt sicherlich dazu bei. Negative Beispiele wie der Tod eines Flüchtlingskindes erzeugen leider medial größere Aufmerksamkeit als gelungene Beispiele von Integration und Miteinander. So ist zu wenig darüber bekannt, wie sehr sich die Geflüchteten selber helfen, sich selbst organisieren, die Initiative für ein gutes Zusammenleben in den Unterkünften ergreifen. Bspw. gibt es in der ZEA Rugenbarg einen Flüchtlingsrat aus den 9 Nationen, der sich jede Woche mit dem Betreiber DRK zusammensetzt. Es wäre wünschenswert, mehr solcher Beispiele öffentlich erzählt zu bekommen, um die ängstlichen und skeptischen Einheimischen anzusprechen.

3. Miteinander zu reden ist besser, als nur im eigenen Initiativensaft zu schmoren. Deswegen hat sich die Gruppe entschieden, einander in drei, vier Wochen erneut zu treffen und auf Facebook und Twitter das Hashtag #DFKomm zu verwenden.

Heilmittel unserer Kulturen – was können wir voneinander lernen?

Die Heilpraktikerin Christina Hadler hatte die schöne Idee, auf der Transit einen Gesprächskreis „Heilmittel unserer Kulturen“ zu eröffnen. Ziel dieses Angebots für geflüchtete Menschen auf der Transit ist es, sich in kleiner Runde darüber auszutauschen, was in der jeweiligen Kultur als Haus- und Heilmittel eingesetzt wird bei Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Schmerzen – was auch immer in den eigenen vier Wänden behandelt wird.

Der Gesprächskreis auf Augenhöhe soll den Geflüchteten deutlich machen: Wir wollen auch von euch was lernen. Erzählt uns etwas aus euren Leben, wie ihr mit Krankheit und Wehwehchen umgeht. Lasst uns einander auf diese Weise kennenlernen…

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Drei Heilmittel-Salons haben bisher stattgefunden. Nur vorsichtig tasten sich die BewohnerInnen heran. Der Zuspruch muss sich langsam entwickeln. Die BewohnerInnen müssen Vertrauen schöpfen. Die nächste Runde auf der Transit ist für den 30.03.2016 geplant.

#HHhilft – Vernetzungstreffen der Helfenden

Das Forum Flüchtlingshilfe der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration in Hamburg (BASFI) lädt zum ersten Vernetzungstreffen ein.

Am 11.03.2016, 18.00 Uhr, treffen sich am Austausch interessierte Helferinnen und Helfer in der (neuen) Kleiderkammer der Iniative Hanseatic Help e.V.: Große Elbstraße 264.

Im Dezember letzten Jahres veranstaltete die BASFI erstmals ein großes Treffen des Forums Flüchtlingshilfe – mehr als 2000 freiwillig Helfende kamen in der Fischauktionshalle zusammen, um sich auszutauschen, an Workshops teilzunehmen, sich zu vernetzen. Der Newsletter dazu ist hier zusammengefasst.

Unterkünfte für Geflüchtete in Hamburg – kann ein Volksentscheid eine Lösung sein?

In Hamburg ist seit Wochen eine heftige Debatte um die vom rot-grünen Senat geplanten Großunterkünfte für Geflüchtete entbrannt. Ob in Rissen, Neugraben-Fischbek, Lemsahl-Mellingstedt, Klein-Borstel oder Hummelsbüttel – überall wehren sich Bürgerinitiativen gegen geplante Bauten, die auch noch mit Polizeirecht bzw. einem aufgeweichten Baurecht durchgesetzt werden sollen.

Die Initiativen haben sich inzwischen zu einem Dachverband zusammengeschlossen und treiben den Senat vor sich her. Sie meldeten eine Volksinitiative an und übergaben dem Landeswahlleiter bereits fünf Tage nach Start der Unterschriftensammlung 26000 Unterschriften – ein bemerkenswerter Rekord in der Geschichte der Volksgesetzgebung in Hamburg.

Der Senat hat durch seine streng obrigkeitsstaatlich durchgezogene Politik die halbe Stadt (Olaf-Scholz-Siedlungen) gegen sich aufgebracht und sich in ein Dilemma manövriert, aus dem im Moment kaum herauszukommen ist. Zwar finden seit ein paar Wochen Gesprächsrunden zwischen dem Dachverband der Initiativen und dem Senat statt, aber die Positionen haben sich gegenwärtig noch nicht angenähert. Ein besonders betrübliches Bild gibt dabei die Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt ab, die bisher nur den Eindruck macht, sie sei ein gewichtiger Teil des Problems, aber weit entfernt davon, Teil der Lösung zu werden.

Doch bei allen Fehlern des Senats (die Siedlungen zu groß und an den Stadtteilen vorbei geplant, den Gerechtigkeitsaspekt bzgl. des Verteilungsschlüssels über die Stadtteile hinweg unterschätzt, kaum den Dialog mit den Bürger*innen gesucht), die Herausforderung ist sowieso kaum zu bewältigen: Geschätzt müssen im Jahr 2016 in der Stadt 40000 Geflüchtete ein Dach über dem Kopf bekommen. Die Stadt kann jedoch in der Kürze der Zeit kaum die Flächen beschaffen, um die Forderungen zu erfüllen: Keine Bebauung für mehr als 300 Menschen. Der Abstand zwischen den Unterkunftsorten solle mindestens einen Kilometer betragen. Dass die Stadt derweil viele Versäumnisse aufgehäuft hat (Leerstand nicht konsequent abgebaut, die städtische Gesellschaft SAGA nicht genügend auf die Aufgabe verpflichtet, Angebote von Grundeigentümern und Wohnungsgebern nicht genügend berücksichtigt), pfeifen die Spatzen sowieso schon lange von den Dächern.

Als kleine Hilfe steht inzwischen eine auf openstreetmap-Daten basierende Karte zu Verfügung, die es erlaubt, Flächen zu identifizieren, die der öffentlichen Hand gehören. Olaf Scholz setzt inzwischen auf eine Einbindung der Bürgerinitiativen in die Verantwortung und setzt auf „CityScope“, ein Projekt der HCU, mit dem zukünftig bebauungsgeeignete Flächen im Stadtgebiet identifiziert werden können.

Inzwischen hat sich auch das Recht-auf-Stadt-Netzwerk zu Wort gemeldet. Dessen ureigenes Thema ist die Mitbestimmung bei der Stadtentwicklung. Doch das scheint bereits die einzige Übereinstimmung mit den Inis zu sein, die Großsiedlungen verhindern wollen: Schon allein, dass die Geflüchteten bei einer möglichen Volkgesetzgebung nicht mitmachen dürfen, ginge gar nicht. Außerdem sei das Gerede von „Ghettos“ leichtfertig und hysterisch: Ein paar Tausend Menschen in einer Siedlung mache noch kein Ghetto. Das sei diffamierend.

In der Tat sollte die „Initiative für Integration“, wie sie sich nennt, etwas mehr Sachlichkeit in die Debatte bringen. Es reicht nicht aus, den eigenen Ängsten und Vorurteilen freien Lauf zu lassen und dann mit kaum erfüllbaren Forderungen ein Wunschkonzert zu veranstalten. Klar, 26000 Unterschriften in fünf Tagen sind ein sehr deutliches Zeichen. Aber sie sind auch ein Zeichen an die Geflüchteten, nicht gewollt zu sein, weil ihnen nicht zugetraut wird, sich in den größeren Wohnsiedlungen mit den Einheimischen zu arrangieren.